Rückblick: Overnighter 2023

An der Sieg

Was kann man in Birkenstocks, Sneakern oder Carbonsohlenklickschuhen machen? Klaro, ne schöne Velonia-Radtour. Fünf ganz unterschiedlich gepreppte Velonis standen Mitte August abfahrbereit am Brückengrün, um einen kleinen Übernachtungsradtrip an die Sieg zu machen: Johannes mit Nabenschaltung am Touringbike, zwei Radtaschen, einem Rucksack im Korb und den sagenumwobenen Birkenstocks an den Füßen. Benni mit Vollgravelausstattung inklusive Arschrakete am Carbonrahmen und hundehüttenkleinem Zelt. Philipp mit 28mm Reifen am Stahlrenner und geschultertem Rucksack. Alex mit Retrotrikot und aufgepimptem, dick bereiftem 90er Jahre Mountainbike. Und Milan… mit sehr tiefen Augenringen. Aber auch mit dem Plan. Denn er und Philipp hatten die Ausfahrt geplant. Und zwar extra so, dass man sie eben auch mit Birkenstocks entspannt fahren könne.

 

Erstmal ging es rechtsrheinisch den Fluss herunter, bei eigentlich fabelhaftem Radfahrwetter. Aber dann, so ein vermalledeites Pech aber auch, kam Regen runter, just als wir in Zündorf am Gasthof vorbeikamen… Der Himmel zwang uns förmlich zur Einkehr. Und wir waren ja immerhin schon ne Dreiviertelstunde unterwegs.

 

Als die Sonne wieder rauskam, ging es dann über liebliche Feldwege Richtung Sieglar und danach zum nächsten Fluss, der Sieg. An deren seichten Ufer und keine zehn Kilometer vom erwählten Nachtlager entfernt fing es dann wieder an zu regnen. Aber der Zufall hatte uns an dem Tag gern und wir konnte flugs im Gasthaus Sieglinde ein paar Siegthaler Landbier und was deftiges zu Essen genießen. Nach langer Rast und noch einem kurzem Snackeinkauf ging es zum Campingplatz. Mit einem Veloni weniger – Milan musste seinen Augenringen nachgeben und hatte sich in die S-Bahn geschwungen. Auch die Exitstrategie war bei der Tourenplanung sehr gut bedacht worden.

 

Wir anderen haben dann auf dem Campingplatz am Siegufer unsere Zelte aufgeschlagen, sind ein bisschen durch den Fluss gewatet (oder geschwommen) und haben den Abend verplaudert. Bis uns die feierliche Musik der Kneipe um die Ecke lockte und wir mitten in eine persische Feierlichkeit gerieten. Irgendwann ging´s dann aber ins Bett.

 

Am nächsten Morgen war nach dem Einpacken erstmal Halt beim Bäcker – Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit auf Radtour. Nach den 45 Kilometern am Vortag standen nun knappe 60 auf dem Programm. Wieder folgten wir der Sieg, diesmal, bis zur Rheinmündung. In Mohndorf kamen wir mitten in die Classic-Days mit dem kompletten Rheinufer voller Oldtimern… Leider Autos und keine Fahrräder. Am zweiten Tag waren wir weniger einkehrfreudig, aber ein kleines Eis in Rheidt haben wir uns dann doch genehmigt. Wir haben schließlich keine Rekorde gejagt, sondern einfach das Draußensein, gute Gespräche und das Radeln genossen. Und wenn man nach zwei schönen Tagen auf dem Sattel über die Rodenkirchener Brücke fährt und das kölsche Panorama einsaugt, dann ist es egal, ob man in Birkenstocks oder Gravelschuhen unterwegs war.